Schwebebahn-Lauf Wuppertal – Laufbericht von einem Halbmarathon der Gegensätze

Veröffentlicht von Kristina am

Im Juli führte meine Lauf-Challenge nach Wuppertal zum diesjährigen Schwebebahn-Lauf. Warum dieser Halbmarathon für mich einen Lauf der Gegensätze darstellte, nun in meinem Laufbericht.

Warum ausgerechnet der Schwebebahn-Lauf?

Bereits letztes Jahr hatte ich mit dem Gedanken gespielt, mich beim Schwebebahn-Lauf in Wuppertal anzumelden. Schließlich wurde immer wieder von der großartigen Stimmung berichtet. Und in Wuppertal war ich zuvor auch noch nicht gewesen.

Während mich im Vorjahr noch die Anmeldefristen des Laufes abgeschreckt hatten, beschloss ich, mir in diesem Jahr einfach eine eigene Meinung zu bilden. Zudem hatte mir eine Bekannte erzählt, wie toll der Lauf letztes Jahr gewesen sei und spontan beschlossen, mitzukommen.

Hinzu kam, dass ich schon immer mal die Schwebebahn sehen wollte. Hätte ich mich vor der Anmeldung ein wenig informiert, hätte ich gewusst, dass diese derzeit noch außer Betrieb ist. Zusätzlich konnte meine Bekannte kurzfristig dann doch nicht mitkommen. Kurz hatte ich überlegt, vielleicht doch nicht zu starten. Allerdings hätte ich dann nun auch keine eigene Meinung von dem Lauf.

Der Schwebebahn-Lauf als Lauf der Gegensätze

Mein Gesamteindruck vom Schwebebahn-Lauf war recht gemischt. Hier findet man wahrscheinlich so viele Gegensätze, wie bei kaum einen anderen Laufevent. Daher möchte ich in meinem Laufbericht ein wenig davon berichten.

Ein kleines und großes Event zugleich

Im Vorfeld des Laufes berichtete die Presse bereits von mehreren Tausend Teilnehmern. Wer jetzt allerdings mit einem Halbmarathon in Größenordnung des Köln-Marathons rechnete, wurde beim Start enttäuscht. Ein Blick auf die Teilnehmerzahlen offenbarte nämlich, dass die meisten Teilnehmer für den 5 km Business Run gemeldet waren, welcher jedoch erst am Nachmittag stattfand. Für den Halbmarathon hingegen gab es gerade einmal knapp 200 Anmeldungen.

Da der Halbmarathon bereits um 10:50 Uhr startete, hatte er was die Anzahl der Läufer betrifft eine eher familiäre Atmosphäre. Erst nach der Siegerehrung waren langsam die Menschenmassen zu erahnen, die am Nachmittag starten würden.

Eine langsame und schnelle Strecke

Vor dem Start des Halbmarathons wurde die Strecke als schnelle Strecke anmoderiert. Und tatsächlich eignet sich die Strecke hervorragend, um ein bisschen Tempo zu machen. Die Laufstrecke ist durchgehend asphaltiert und verläuft auf einer breiten Straße. Zusätzlich geht die Straße abgesehen von den Wendepunkten die gesamte Zeit geradeaus.

Auch wenn das Höhenprofil auf der Webseite des Laufes etwas anderes vermuten ließ, war die Strecke nahezu flach (laut Strava waren es auf den knapp 22km gerade einmal 92 Höhenmeter). Hier zeigte sich wieder einmal, dass der Maßstab doch sehr viel ausmacht.

Das Höhenprofil einer 5km Runde

Tatsächlich könnte man hinter dem Höhenprofil den einen oder anderen Höhenmeter vermuten, allerdings schwankt die Höhe insgesamt um gerade einmal 8 Meter.

Aufgrund der recht geringen Teilnehmerzahlen auf der breiten Strecke, gab es weder am Start noch an den Getränkeposten Gedränge. Auf diese Weise konnte wirklich jeder sein eigenes Tempo durchlaufen. Auch wenn dies natürlich gleichzeitig bedeutete, dass man oft recht alleine laufen musste.

Eigentlich wäre die Strecke daher fast perfekt für eine neue Bestzeit geeignet. Wenn die Strecke denn nicht ein paar Meter zu lang wäre. Laut Webseite ist die Streckenlänge mit 21,4 km angegeben. Auf den Laufuhren meiner Mitläufer wurden Werte von 21,6 km bis hin zu 22 km angezeigt.

Natürlich ist die Strecke dementsprechend auch nicht DLV-vermessen und daher auch nicht bestenlistenfähig. Vielleicht war dies der Grund, weshalb auf der Strecke nur wenig richtig schnelle Läufer unterwegs waren.

Langweilig und unterhaltsam zugleich

Die Halbmarathon-Strecke des Wuppertaler Schwebebahn-Laufs verläuft in einer kurzen und vier langen Runden. Und die Runden sind eigentlich auch keine echten Runden. Vielmehr läuft man immer wieder die gleiche Straße auf und ab. Landschaftlich hat die Strecke daher leider nur einen recht eingeschränkten Unterhaltungswert. Und auch die Schwebebahn selbst sorgt wenn sie außer Betrieb ist nicht für Abwechslung. Spätestens nach der 2. Runde kannte man wirklich jedes Haus und jede Straßenkreuzung.

Das klingt jetzt alles erst einmal nicht besonders spannend. Was den Lauf für mich allerdings trotzdem unterhaltsam machte war, dass man fast die ganze Zeit die entgegen kommenden Läufer beobachten konnte.

Bereits vor dem Lauf hatte ich mit dem einen oder anderen Teilnehmer ein paar Worte gewechselt. So freute ich mich immer wieder, wenn mir ein bekanntes Gesicht entgegen kam. Und spätestens in der letzten Runde fühlte es sich so an, als laufe ich mit ganz vielen bekannten Menschen. Schließlich war das Teilnehmerfeld mit weniger als 200 Teilnehmern mehr als überschaubar. Etwas seltsam fühlte es sich an, als ich in meiner letzten Runde immer wieder Teilnehmer überholte, denen ich vorher fröhlich zugelacht hatte. In der Summe muss ich aber sagen, dass es mir wirklich gut gefallen hat, immer wieder die gleichen Gesichter zu sehen. Da war es dann auch egal, dass die Strecke ansonsten nicht ganz so viel zu bieten hatte.

Laute und leise Atmosphäre

So rar gesät wie die Teilnehmer waren leider auch die Zuschauer an der Strecke. Lediglich im Start- und Zielbereich gab es etwas mehr Menschen, die einen auf der Strecke anfeuerten. Von der Atmosphäre in den Image-Videos war an der Strecke leider nur sehr wenig wieder zu erkennen. Wahrscheinlich war die Atmosphäre des Halbmarathons zu unspektakulär für einen Teaser, so dass man hier lieber Bilder aus dem Firmenlauf zeigte.

Nichtsdestotrotz gab es ein paar wenige Zuschauer an der Strecke, die die Läufer wirklich über die komplette Zeit hinweg fleißig anfeuerten. Seien es die Damen an der Bushaltestelle, die Kinder vor dem Balkon oder die Party auf dem ‚Saufen statt Laufen‘-Balkon. Und wie auch die Mitläufer, kannte ich nach den ersten Runden alle Menschen an der Strecke, und freute mich jedes Mal aufs Neue, sie zu sehen!

So unspektakulär die Atmosphäre während des Laufes selbst war, umso spektakulärer gestaltete sich später jedoch die Siegerehrung. Wie aus dem Nichts tauchten plötzlich Musikgruppen und Cheerleader auf. Und auch die Anzahl der Menschen stieg langsam aber sicher an – rückte doch der Start des Firmenlaufes langsam näher.

Bei der Siegerehrung

Zwar gab es dieses Mal bei der Siegerehrung kein Treppchen, dafür ging es jedoch auf eine große Bühne, wo jeder der Läufer unter viel Applaus seine Preise bekam. Alles was beim Lauf an Atmosphäre gefehlt hatte, wurde nun wieder gut gemacht. Über einen Livestream konnte man die Siegerehrung sogar im Internet verfolgen. Also wieder einmal ein neues Erlebnis.

Fazit zum Schwebebahn-Lauf

Insgesamt habe ich es nicht bereut, zum Schwebebahn-Lauf gefahren zu sein. Auch wenn ich auf der Strecke die meiste Zeit alleine lief, hatte ich doch durchgehend Spaß. Zusätzlich war ich zum ersten Mal in meinem Leben in Wuppertal und habe die Schwebebahn immerhin kurz vor dem Lauf noch kurz im Testbetrieb sehen können. Noch einmal wäre mir der Lauf wahrscheinlich nicht die fast 1,5 Stunden Fahrzeit wert. Aber immerhin habe ich nun einen Lauf weniger auf der Liste der Läufe, die ich gerne erleben möchte.