Himmelgeister Brückenlauf 2019 – persönliche Bestzeiten und Grenzen

Veröffentlicht von Kristina am

Bereits im letzten Jahr hatte ich mit dem Gedanken gespielt, den Himmelgeister Brückenlauf zu laufen. Daher habe ich es dieses Jahr einfach gemacht. Zumal mir bei der Planung noch ein Juni-Lauf für meine Medaillen-Challenge fehlte. Ok, letzten Endes wurde es meine 2. Juni Medaille und mein 8. Juni-Wettkampf (böse Zungen behaupten, ich würde es mit Laufen übertreiben). Aber ich würde den Lauf jederzeit wieder laufen. Hier nun also mein Laufbericht.

Warum der Himmelgeister Brückenlauf sich lohnt

Gerade um diese Zeit im Jahr gibt es jede Menge tolle Laufveranstaltungen. Warum also den Himmelgeister Brückenlauf laufen?

Die Strecke

  • Flache und schnelle Strecke: Als Eifel-Läufer weiß ich flache Strecken zu würdigen. Durch 2 Brücken kommt ein kleines bisschen Abwechslung in das Höhenprofil, so dass es auch nicht langweilig wird. Zusätzlich verläuft die Strecke komplett am Rhein entlang. Ich liebe es, am Rhein zu laufen und fahre dafür auch immer wieder gerne ein paar Kilometer.
  • Schatten: Große Teile der Strecke verlaufen im Schatten. Bei Temperaturen über 20 Grad weiß jeder Läufer dies zu schätzen.
  • Verpflegung: 2019 gab es insgesamt 9 Verpflegungspunkte an der Strecke. Zusätzlich hier und da auch noch Duschen und Rasensprenger. Dehydrierung ist bei diesem Lauf daher definitiv vermeidbar.

Organisation und Atmosphäre

  • Angenehme Teilnehmerzahl: Die Zahl der Startplätze beim Himmelgeister Brückenlauf ist auf 800 Teilnehmer begrenzt. Für einen Halbmarathon finde ich das fast die perfekte Größe. Dadurch ist der Start dementsprechend entspannt und es bleiben einem viele Schlangenlinien erspart. Gleichzeitig sind immer noch genug Teilnehmer da, als dass man nach ein paar Kilometern komplett alleine laufen müsste
  • Organisation: Von der Startnummernausgabe über ausreichend Dixis am Start bis hin zur After-Run-Party einfach ein Lauf der Spaß macht!
  • Startzeit: Der Himmelgeister Brückenlauf startet um kurz nach 8 Uhr. Gerade im Sommer ist man dadurch bereits fertig mit dem Lauf, bevor die größte Hitze einsetzt.
  • Familiäre Atmosphäre: 800 Teilnehmer sind schon eine ganze Menge. Trotzdem liefen mir bei dem Lauf eine Menge bekannte Gesichter über den Weg. Teilweise kannte man sich von anderen Laufveranstaltungen und sogar ein paar Gesichter aus Aachen waren am Start. Und auch die Atmosphäre bei der anschließenden After-Run-Party war sehr entspannt. Hätte ich nicht noch Pläne für den Nachmittag gehabt, wäre ich sicherlich noch ein wenig geblieben.

So lief mein Himmelgeister Brückenlauf

Da es in der Aachener Gegend nur wenig flache Läufe gibt, hatte ich mir in den Kopf gesetzt, es in Himmelgeist mit einer neuen Bestzeit zu versuchen.

Als um 4:45 Uhr am Samstagmorgen der Wecker klingelte, war in meinem Kopf allerdings vor allem eine Frage: Warum? Ein paar Minuten später war dieser Gedanke jedoch vergessen. Beim Frühstück wurde noch einmal Energie getankt und um 6 Uhr ging es dann auch schon mit dem Auto Richtung Düsseldorf. So leer, wie an diesem Morgen hatte ich die Autobahnen in der Gegend glaube ich noch nie erlebt.

In Düsseldorf angekommen traf ich Michael, der angeboten hatte, mich auf eine neue Bestzeit zu pacen. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Start. Noch schnell die Startnummern abholen und dann konnte es auch schon los gehen.

Kurz nach 8 standen alle Läufer am Start. Es galt noch schnell zwei Busse unter dem Jubel aller Läufer durch zu lassen und dann fiel auch schon der Startschuss.

Die ersten Kilometer

Meine Beine fühlten sich nach einer etwas zu kurzen Nacht etwas müde an. Trotzdem liefen sich die ersten Kilometer noch recht entspannt. Wenn auch (wie fast immer) mit einer Pace, die ich nicht über die ganze Strecke halten können würde. Aber in Anbetracht der Wettervorhersage, welche für heute bis zu 35 Grad versprach, war an einen negativen Split ohnehin nicht zu denken.

Die Strecke verlief zunächst leicht abschüssig in Richtung Rhein. Bei der ersten Brücke fiel mir auf, dass Höhenmeter auch Spaß machen können. Bringen sie doch ein wenig Abwechslung in den Lauf. Offensichtlich hatten die Eifel-Läufe der letzten Wochen doch ein paar Spuren hinterlassen. Auf er Brücke überholte ich die 3. Frau, die mir noch viel Glück für den Lauf wünschte.

Weiter ging es am Rhein entlang. Eine schöne Strecke mit vielen schattigen Abschnitten – perfekt für die aktuellen Temperaturen. Gefühlt reihte sich ein Verpflegungspunkt an den nächsten. Aus Bechern trinken will jedoch gelernt sein. Das Wasser bot aber auch äußerlich angewendet angenehme Erfrischung. Noch plauderte ich locker mit Michael. Meine Laufuhr sagte mir, dass ich wieder einmal zu schnell unterwegs sei, aber eigentlich fühlte sich das Tempo gut an. Die Kilometerschilder zogen vorbei und ich freute mich darüber, wieder einmal am Rhein laufen zu können.

Seitenstechen und steigende Temperaturen

In einem ähnlich schnellen und Tempo wie die ersten Kilometerschilder, holte mich ab Kilometer 10 dann allerdings auch mein schneller Start ein. Plötzlich verspürte ich Seitenstechen. Dies mischte sich mit der Erkenntnis, dass ich auf den ersten 10 Kilometern trotz meines Trinkgürtels quasi gar nichts getrunken hatte.

Als erstes galt es nun, das Seitenstechen los zu werden. Michael schlug vor, ein bisschen Tempo rauszunehmen. Zuerst versuchte ich noch zu behaupten, das sei nicht nötig. Allerdings blieb mir nichts anderes übrig, als mich dann doch darauf einzulassen. Es dauerte ein paar Kilometer, bis das Seitenstechen wieder verschwand. Leider waren dies auch Kilometer, in denen ich weiterhin fast nichts trinken konnte.

Erst bei Kilometer 13 schafften wir es wieder, das Tempo etwas anzuziehen. Allerdings merkte ich sehr deutlich, dass ich mich bei weitem nicht mehr so stark fühlte, wie am Anfang. Michael stellte sich als echter Sklaventreiber heraus. Immer wieder ließ er sich neue Strategien einfallen, um mich dazu zu bewegen, mein Tempo zu halten. Allerdings spornte es mich irgendwann nicht einmal mehr an zu hören, dass die vierte Frau langsam näher kam.

Meine letzten Meter als dritte Frau

Der Mann mit dem Hammer

Zahlreiche Geschichten hatte ich bereits über den sagenumwobenen Mann mit dem Hammer gehört. Immer wieder hatte ich mir die Frage gestellt, wie es sich wohl anfühlt, wenn man ihm begegnet. Heute war es endlich an der Zeit, das wir uns kennen lernen würden.

Ungefähr bei Kilometer 18 gab ich meine Position als dritte Frau ab. Ich schaffte es noch gefühlte 5 Sekunden, das Tempo meiner Mitläuferin zu halten, um dann zu beschließen, dass ich jetzt keine Lust mehr zu kämpfen habe. Einfach nur noch im Ziel anzukommen war das einzige, was mich noch interessierte. Da half es auch nicht, dass Michael mich immer weiter ermutigte, das Tempo noch einmal anzuziehen. Meine Pace fühlte sich an wie 6 Minuten pro Kilometer und meine Beine wurden von Schritt zu Schritt schwerer. Dass ich in Wirklichkeit immer noch mit einem Schnitt von 4:45 unterwegs war, konnte ich später nur schwer glauben.

Einen kleinen Energieschub gab es noch einmal, als ich auf dem letzten Kilometer meinen Bruder und seine Familie stehen sah. Sie waren extra einmal quer durch die Düsseldorfer Innenstadt gefahren, um mich anzufeuern. Und selbst an einem Sonntag ist dies im Düsseldorfer Stadtverkehr ein ziemlicher Aufwand. Und so ging es immer weiter in Richtung Ziel.

Die letzten Meter
Fast geschafft!

Für einen echten Endspurt reichte die Energie bei diesem Lauf nicht mehr. Jedoch schaffte ich es trotzdem irgendwie, mit einer neuen persönlichen Bestzeit im Ziel einzulaufen. Um mehr als eine Minute hatte ich es geschafft mich zu verbessern und das war für mich ein Grund stolz zu sein.

Epilog zum Himmelgeister Brückenlauf

Mein Neffe fasste es nachträglich in sehr schöne Worte ‚Tante Kristina hat zwar nicht gewonnen, aber sie hat trotzdem eine Medaille bekommen‘. Und somit ging es mir genauso, wie 726 anderen von 732 Läufern. Und war ich nicht ursprünglich ohnehin nur wegen der Medaille hier?

Der Himmelgeister Brückenlauf war für mich ein Lauf, bei dem ich viel gelernt habe. Vor allem über meine Grenzen. Ich glaube so wie heute, war ich bisher bei keinem anderen Lauf an meine Grenzen gegangen.

Klar war ich enttäuscht, dass ich den dritten Platz abgeben musste. Aber auch wenn ich es dieses Mal nicht aufs Treppchen geschafft hatte, hat es doch zu einer neuen Bestzeit gereicht. Und ganz abgesehen davon ist es auch ein tolles Gefühl, 4. Frau von 195 Frauen zu sein.

Ich habe anschließend zunächst noch versucht zu analysieren, wo ich etwas hätte anders machen können. Vielleicht mit einer anderen Strategie laufen. Oder auch einfach mehr zu trinken. Allerdings ändert der Konjunktiv nichts an einer Zeit, mit der ich wirklich sehr zufrieden bin. Insbesondere in Anbetracht der Temperaturen. Und es fühlt sich großartig an, zu wissen, dass ich alles gegeben habe. Ein Gefühl, dass ich bei den letzten Läufen eher selten hatte.

Ob ich die gleiche Zeit auch ohne Michael gelaufen wäre, ist schwer zu sagen. Hier fehlt wohl einfach die Kontrollgruppe. Immerhin haben wir es sogar in die Zeitung geschafft. Als ich von der naturschönen Strecke las, gingen mir wieder die Momente durch den Kopf, als ich den Lauf wirklich genossen habe. Und tatsächlich spiele ich mit dem Gedanken, ob ich diesen Lauf nächstes Jahr nicht wieder laufen soll. Einfach so.

Kategorien: Laufen

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