Marathon Nacht Rostock

Marathon Nacht Rostock: Einfach mal ans Meer

Erfahrungsbericht von der Hella Marathon Nacht in Rostock

Prolog zur Marathon Nacht Rostock

Es ist ein warmer Dienstag im August. Das Thermometer verspricht wieder einmal die 30 Grad Marke zu überschreiten und inzwischen fühle ich mich müde von den heißen Sommertagen, die bereits hinter mir liegen.

Sommer im Büro

Ich sitze im Büro und bin gedanklich schon am Wochenende, an dem ich mich in Süddeutschland für einen Halbmarathon angemeldet habe. Zum ersten Mal seit langem löst die Vorstellung an ein Laufevent nur wenig Vorfreude bei mir aus. Schließlich würden mich dort doch 380 Höhenmeter in der Nachmittagssonne erwarten. Zudem meldet sich zum ersten Mal, seit ich mit dem Laufen begonnen habe, meine Achillessehne. Ich frage mich, ob dies nicht ein guter Zeitpunkt wäre, mal ein Event auszulassen.

Ohne es zu merken, bin ich auf Facebook gelandet. Ein Bekannter von mir will am Wochenende nach Rostock fahren zur Hella Marathon Nacht und fragt, ob jemand mitkommen möchte. Eigentlich eine schöne Idee. Gleichzeitig ist der Plan in meinem Kopf eigentlich ein anderer.

Zeit für eine Planänderung?

Zwei Stunden später. Der Gedanke an die Hella Marathon Nacht Rostock scheint in meinem Kopf gearbeitet zu haben. Ich ertappe mich dabei, dass ich inzwischen sowohl die Fahrtzeit nach Rostock als auch die Wettervorhersage kenne. Warum eigentlich nicht, bei den Temperaturen gibt es schlimmeres, als 6 1/2 Stunden in einem klimatisierten Auto zu verbringen. Die Wettervorhersage verspricht angenehme 27 Grad für den Abend. Also einfach mal nachfragen, ob Arthur noch einen Platz im Auto frei hat. Tatsächlich bin ich die erste, die ihn fragt. Ich sage ihm, dass ich ihm bis Donnerstag Bescheid gebe. Ich bin mir einfach noch nicht sicher, ob es wirklich so eine gute Idee ist, meine ursprünglichen Pläne über den Haufen zu werfen. Und dann ist da ja auch noch meine Achillessehne.

Weitere zwei Stunden sind vergangen. In der Zwischenzeit habe ich eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Natürlich habe ich mich auch beim Veranstalter erkundigt, ob eine Nachmeldung vor Ort auf jeden Fall möglich sein wird. Zudem habe ich festgestellt, dass meine Sehne bei einem flachen Lauf ja eigentlich keinen Grund hat, sich zu beschweren. Abgesehen davon, dass sie ja eigentlich gar nicht mehr weh tut, wie ich inzwischen finde. Im Übrigen gibt es Schlimmeres, als bei den aktuellen Temperaturen ans Meer zu fahren.

Zeit für Vorfreude

Die nächsten Tage sind geprägt von Vorfreude auf die Marathon Nacht Rostock. Die aktuellen Temperaturen haben mitunter seltsame Auswirkungen. Während ich früher lange Autofahrten eher zu vermeiden suchte, gefällt mir die Idee nach den ganzen Tagen jenseits der 30 Grad Grenze immer besser.

Ab in den Norden

Inzwischen ist es Freitagmittag. Wir starten direkt nach der Arbeit. Tatsächlich sind es eher 7 1/2 Stunden, die wir nach Rostock brauchen. Aber glücklicherweise gehen uns die Gesprächsthemen auch im Stau nicht aus und der Vergleich von Innen- und Außentemperatur gibt mir das Gefühl, dass die Zeit im klimatisierten Auto optimal investiert ist.

Da der Lauf erst am Samstag Abend startet, verbringe ich den Vormittag in Warnemünde am Strand. Durch die Hitze ist das Meer leider voll mit Feuerquallen und Blaualgen. So komme ich gar nicht erst in Versuchung, im Meer kostbare Energie mit Schwimmen zu vergeuden. Jedoch lasse ich mich nicht von einem ausgiebigen Strandspaziergang abhalten. Ehe ich es mich versehe, zählt mein Schrittzähler bereits 20.000 Schritte, bevor der Lauf überhaupt los geht. Aber eigentlich ist das gar nicht so wichtig, ist mein Ziel für den Lauf dieses Mal schließlich, jeden einzelnen Schritt zu genießen!

Mit der Fähre zum Start

Endlich ist es so weit. Die Nachmeldung für den Lauf ist erledigt und wir sind auf der Fähre auf dem Weg zu dem Startpunkt. Fast hätte ich mich bei der Nachmeldung zu der ganzen Marathondistanz überreden lassen, bin aber nun doch froh, dass ich ’nur‘ 21,1 km laufen werde. Die Streckenführung des Laufs ist anders als bei den meisten Laufevents, die ich bisher kenne. Die Marathonstrecke bei der Marathon Nacht Rostock ist tatsächlich ein Rundkurs. Die Halbmarathonstrecke startet jedoch auf der Hälfte des Rundkurses. Um dorthin zu gelangen, geht es mit der Fähre die Warnow entlang Richtung Warnemünde.

Den Start des Marathons um 18 Uhr hatten wir noch live mitverfolgt, bevor wir uns auf den Weg zur Fähre gemacht haben. Dass ich jemals auf einer Fähre voller Läufer sein würde, hätte ich ein paar Tage zuvor auch nicht gedacht. Drei Boote mit Startern für den Halbmarathon haben nun das gleiche Ziel.

Der Halbmarathon startet um 19:55 Uhr. Während wir auf den Startschuss warten, passieren die ersten Marathonläufer unter dem Jubel der Halbmarathonis die Strecke. Erst jetzt wird mir bewusst, wie klein das Event eigentlich ist. Nur eine dreistellige Zahl an Läufern sind bei dem Marathon am Start und während einer nach dem anderen an uns vorbei kommt, bin ich froh, mich nicht für die ganze Strecke entschieden zu haben. Das Feld hat sich bereits nach 21 km stark entzerrt und es gibt nur noch wenige Gruppen, die zusammen laufen. Gerade bei meinem ersten Marathon ist es mir doch lieber, wenn ich umgeben von anderen Menschen laufen kann.

Es kann los gehen

Es ist an der Zeit, sich für den Start aufzustellen. Im Startbereich ist es ein wenig eng. Als ich mich jedoch recht weit nach vorne durchgearbeitet habe, wird die Stimmung wieder lockerer und entspannter. und es gibt wieder etwas mehr Raum. Der Startschuss fällt und alles was jetzt noch zählt ist das Geräusch von Laufschuhen auf Asphalt. Der Start verläuft glatt und es gibt wenig Gedrängel.

Zunächst geht es zwei Mal durch den Warnow-Tunnel. Für die Rostocker wahrscheinlich eine Sensation, ist der Tunnel doch üblicherweise für Fußgänger nicht geöffnet. Gleichzeitig bin ich an dieser Stelle dankbar, dass ich glücklicherweise auf meinen Laufstrecken Steigungen gewöhnt bin. Im Gegensatz zu vielen Läufern um mich herum, macht mir der Anstieg beim Verlassen des Tunnels nur wenig aus.

Es geht weiter durch ein Landschaftsschutzgebiet. Zwar schön grün, für meine Verhältnisse jedoch etwas zu viel Musik, um die Landschaft wirklich genießen zu können. Als es zum zweiten Mal durch den Tunnel geht wird es langsam ruhiger. Es geht wieder vorbei am Start und von dort aus an der Warnow entlang wieder zurück in die Stadt. Die Atmosphäre ist angenehm entspannt. Ich habe nicht vergessen, was ich mir vorgenommen habe, genieße die Abendstimmung, die Atmosphäre des Laufs und das Gefühl von anderen Läufern umgeben zu sein, die alle das gleiche Ziel haben.

Abendstimmung bei der Marathon Nacht Rostock

Irgendwann fängt im Westen die Sonne an unterzugehen. Jetzt bereue ich, dass ich kein Handy dabei habe, denn das Farbenspiel dass sich dort zu meiner rechten Seite abspielt ist einfach sensationell. Kleine Wattewölkchen am Himmel, die das Sonnenlicht perfekt einfangen. Wieder einmal laufe ich recht weit vorne im Feld. Ich habe das Gefühl, dass ich die einzige bin, die mehr nach rechts als auf die Strecke schaut. Kommentare wie ‚Oh mein Gott ist das schön‘ werden teilweise doch eher mit einem angestrentgen ‚Hmm‘ quittiert. Egal, ich habe Spaß und schaffe es, nicht zu stolpern, während meine Blicke immer wieder Richtung Westen abschweifen.

Weiter geht es über Kieswege, die ab einem gewissen Punkt mit Solarleuchten gesäumt sind. Offensichtlich bin ich zu schnell gelaufen, sind bisher noch die wenigsten davon in Betrieb. Meine Motivation für eine neue Bestzeit sinkt gegen Null. Ich möchte einfach nur jeden Augenblick der Marathon Nacht Rostock genießen. Ist es nicht paradox, dass man Geld dafür bezahlt, dass etwas so schnell wie möglich vorbei sein soll – so geht es mir durch den Kopf. Vereinzelt finden sich schon jetzt einige Menschen am Wegrand, die die Läufer anfeuern. Zugegebenermaßen hätte ich so viel Support in Norddeutschland – wo die Menschen doch meistens eher als reserviert abgestempelt werden – gar nicht erwartet.

Rostock in der Abendsonne

Vor mir zeichnet sich langsam Rostock ab. Die für Rostock so typischen Backsteinhäuser reflektieren das Licht der Abendsonne. Erneut bin ich fast ein wenig traurig, keine Kamera zur Hand zu haben, halte den Moment jedoch gleichzeitig ganz tief in meinem Herzen fest, so schön ist die Atmosphäre. Die Versuchung ist groß, einfach einen Moment stehen zu bleiben, einfach nur um die Abendstimmung zu genießen.

Je näher wir dem Ziel kommen, umso mehr Menschen finden sich auch am Straßenrand und es macht Spaß, Kinderhände abzuklatschen und mich über die Stimmung zu freuen. Irgendwann bei km 19 passiert dann etwas, was mir bisher noch bei keinem Laufevent passiert ist und ich bekomme Seitenstechen. Während ich zunächst noch probiere, weiter zu laufen, bin ich irgendwann an dem Punkt angelangt, wo kein Weg mehr an einer Gehpause vorbei führt.

Da ich bisher noch nie Probleme mit Seitenstechen hatte, weiß ich auch nicht, wie man mit so etwas am besten umgeht. Glücklicherweise hat der eine oder andere Läufer, der mich überholt ein paar Tipps für mich parat. Langsam wird es besser. Einer der Läufer, der mich überholt, ruft mir ein paar aufmunternde Worte zu und mit erholtem Puls starte ich auf den letzten Kilometer. Die Freude an dem Lauf ist wieder zurück, die Form auch und ich komme schließlich mit einem glücklichen Lächeln im Zielbereich an.

Angenehme Stimmung im Zielbereich

Im Zielbereich treffe ich einige der Läufer wieder, denen ich bereits vorher begegnet war. Wir tauschen uns über die Erfahrungen aus und stoßen mit alkoholfreiem Bier an. Die Stimmung ist angenehm und entspannt und ich bin glücklich. Mit 1:41:03 bin ich zwar weit entfernt von einer neuen Bestzeit, aber in der Summe war der Lauf auch einfach zu schön, um mich unnötig zu hetzen!

Etwas später kommt auch Arthur im Ziel an. Da die Verpflegung im Zielbereich nicht gerade üppig ist, feiern wir den Lauf erst einmal mit einer Finisher-Bratwurst. Ein Laufevent am Abend kann den Essensrhythmus schon ganz schön durcheinander bringen – zumindest, wenn man so wie ich bisher immer eher Vormittags gelaufen ist.

Fazit zur Marathon Nacht Rostock

Am nächsten Morgen starten wir ganz gemütlich wieder Richtung Süden. Schnell wundern wir uns, warum die Straßen so voll sind, obwohl weit und breit kein Ferienende in Sicht ist. Die Autos um uns herum beantworten die Frage – es scheint fast, als hätten mehr als die Hälfte aller Autos WOA auf ihre Scheibe getaped. Festivals wie Wacken kommen offensichtlich weder in meiner noch in Arthurs Läuferwelt vor, so dass wir etwas überrascht von den Staus sind. Die 10 Stunden im Auto nutzen wir dazu, noch einmal in den Erinnerungen des Wochenendes zu schwelgen und uns über vergangene und zukünftige Laufveranstaltungen auszutauschen. Und ganz nebenbei natürlich noch über alle anderen Themen, die das Leben so zu bieten hat. Genug Zeit dafür haben wir.

Und obwohl wir Aachen weitaus später erreichen, als wir ursprünglich gedacht hatten, ist eins klar: das Wochenende in Rostock mit der Hella Marathon Nacht war jede einzelne Minute Stau wert!