Warum es manchmal gut sein kann, eine Pause zu machen

Eigentlich wollte ich heute über Veränderungen und Selbstdisziplin schreiben, da mir hierzu zum Jahreswechsel eine Menge Gedanken durch den Kopf gingen. Angeregt von einem Gespräch über die Notwendigkeit von Veränderungen geht es in diesem Beitrag nun doch mehr darum, warum es im Leben eben nicht immer nur darum gehen muss, an sich zu arbeiten und sich weiter zu entwickeln.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es unglaublich wichtig ist, immer mehr zu erreichen, ständig in Bewegung zu bleiben, sich ständig weiter zu entwickeln. Wer nicht ständig an sich arbeitet bleibt stehen, und Stillstand wird oftmals gleichgesetzt mit Rückschritt. Aber bleibe ich wirklich stehen, wenn ich nicht permanent aktiv an mir arbeite?

Wieder einmal fällt mir ein kleiner Exkurs zum Laufen ein. Wenn ich mich hier weiter entwickeln möchte, muss ich trainieren. Aber werde ich wirklich schneller, wenn ich jeden Tag hart trainiere? Tatsächlich ist es beim Laufen den meisten Menschen bewusst, dass die Regenerationszeiten mindestens genauso wichtig sind, wie die aktiven Trainingszeiten. Denn genau in diesen Regenerationszeiten, in denen wir nicht aktiv trainieren, findet die eigentliche Weiterentwicklung statt. Und wie lange unser Körper zum Regenerieren braucht, können wir nur selbst spüren, indem wir auf unser Körpergefühl hören. Und nur weil unser Trainingsplan, unser Trainer oder unser Laufpartner etwas anderes sagt, muss das für uns nicht stimmen. Oder vielleicht bin ich auch einfach nur zufrieden mit meiner aktuellen Leistung und es ist mir gar nicht wichtig, mich zu verbessern? Hier würde mir doch auch niemand reinreden und mir sagen, dass ich unbedingt schneller werden muss. (Und vielleicht werde ich es aus Spaß ja ganz von alleine, ohne es konkret als Ziel zu haben?)

Zurück zum Leben außerhalb des Sports. Während es im Sport alles so schlüssig erscheint, warum lassen wir uns dann von außen den Druck machen, dass wir ständig aktiv an uns arbeiten müssen? Manchmal hat das Leben für uns in der Vergangenheit viele Veränderungen bereit gehalten und genauso wie im Sport brauchen wir in meinen Augen auch hier Ruhephasen, in denen sich das Ganze einfach einmal setzen darf. Nur weil eine Veränderung im Außen statt gefunden hat, heißt das ja noch lange nicht, dass sie im Innen direkt angekommen ist. Und das sind häufig Prozesse, die unbewusst ablaufen, ohne dass wir hier aktiv nachhelfen müssen. Ganz im Gegenteil, ich glaube tatsächlich, dass ständiges aktiv etwas an mir verändern zu wollen eventuell auch daran führen kann, dass ich von einem Thema zum nächsten hetze und das Verinnerlichen der Veränderungen dabei auf der Strecke bleibt. Aktive Weiterentwicklung wird dann mehr zur Flucht als zu einer echten Weiterentwicklung. Und ist es wirklich das, was mich weiter bringt?

Und dann ist da noch etwas. Zufriedenheit. Ganz ehrlich, wenn ich mit meinem Leben so wie es ist zufrieden bin – muss ich dann wirklich ständig daran arbeiten, mich weiter zu entwickeln? Oder kann ich mich nicht auch einfach mal zurück lehnen, und diesen Zustand so wie es ist genießen? Ich denke, solange man hierbei ein paar wesentliche Punkte nicht außer Acht lässt, spricht eigentlich gar nichts dagegen. Wichtig finde ich folgendes:

  • Bin ich wirklich mit dem aktuellen Zustand zufrieden oder mache ich mir nur etwas vor? Bekanntlich ist der eine oder andere ja Meister darin, sich selbst Geschichten zu erzählen…
  • Bin ich vielleicht einfach nur zu bequem, um etwas zu verändern? Eine Veränderung zu starten ist meistens auch mit einem gewissen Aufwand verbunden, der am Anfang durchaus auch mal unbequem sein kann. Hier ist es wichtig, genau in sich reinzuhorchen, ob wir mehr in einem Zustand der Zufriedenheit oder der Bequemlichkeit sind.

Wer mich kennt weiß, dass ich es toll finde, immer wieder neue Impulse aufzugreifen, neue Dinge auszuprobieren und mich ständig weiter zu entwickeln. Oft aber auch einfach zu viel auf einmal und am Ende habe ich tatsächlich gar nichts davon. Daher finde ich es wichtig, zwischendurch immer mal wieder eine Pause zu einzulegen, damit das, was ich im Außen verändere auch im Innen ankommen kann. Und dabei auch einfach mal zufrieden zu genießen was ich habe. Dankbar für alles zu sein, was ich erreicht schon erreicht habe, statt immer nur von einer Herausforderung zur nächsten zu hechten. Denn Entwicklung findet eben auch dann statt, wenn wir gerade nicht aktiv an uns arbeiten.